Die Geschichte der Blue Jeans: ein Bayer auf Irrwegen

Sie ist bereits 142 Jahre alt und gehört zur Standardausstattung eines jeden Kleiderschranks: Die Jeans. Levi Strauss gilt als Erfinder der klassischen Blue Jeans, die sich von einer Arbeiterhose hin zum Symbol der Rebellion bis zum salonfähigen Kleidungsstück gewandelt hat. Doch wer hätte gedacht, dass noch ein anderer hinter dem wohl berühmtesten Kleidungsstück steckte?

Beginnen wir mit der Geschichte von Levi Strauss:

Buttenheim ist ein kleines idyllisches Dorf mit 3’500 Einwohnern in der Nähe Bambergs in Bayern. Aus diesem Dorf stammt er her: der vermeintliche Erfinder der Blue Jeans. Levi Strauss, der 1829 als Löb Strauß geboren wurde, war Jude. Zwar waren diese im damals relativ liberalen Bayern Christen gleichgestellt, jedoch wurde per Gesetz festgelegt, wie viele Juden in einem Ort leben durften. Löb Strauß entschied sich deshalb, in die USA auszuwandern.

Die Uniform der Arbeiter

Vom Goldrausch des amerikanischen Westens angezogen, zog Löb Strauß, der sich fortan Levi Strauss nannte, nach San Francisco in Kalifornien. Bereits 1850 eröffnet sein erster Laden, in welchem er Goldsucher mit Zeltplanen und anderen Produkten ausstattet. Der Legende nach soll ihn ein Arbeiter gefragt haben, ob er nicht auch robuste Hosen aus dem Material der Zeltplanen herstellen könnte. Denn die damaligen Goldschürfer arbeiteten viel auf ihren Knien, sodass ihre Kleidung schnell kaputtging.

Der junge Levi erkennt die Chance und bringt den Goldgräber zu einem örtlichen Schneider, um aus seinem Zeltstoff eine Hose fertigen zu lassen. Die Kunde von den robusten Beinkleidern verbreitet sich rasch, und Levi Strauss steigt ins Hosengeschäft ein. Bald trugen nicht mehr nur die Goldsucher, sondern auch Farmer, Eisenbahnarbeiter oder Cowboys die robuste Hose.
Der Stoff der Blue Jeans stammt ursprünglich aus dem kleinen Ort Nîmes in Frankreich, der den Stoff bereits 200 Jahre früher, um 1600, erfand. Von da kommt auch die Bezeichnung Denim – ein Kürzel für aus Nîmes (frz. de Nîmes). Die tiefblaue Indigofarbe stammt hingegen aus Genua. „Bleu de Gênes“, das Blau aus Genua, vererbte seinen Namen der heutigen Blue Jeans. Nur einer mochte den Namen der Blue Jeans nicht: der Erfinder höchstpersönlich. Bis zu seinem Tod 1902, nannte er seine Hose stets „waist overall“.

Damit aus einer strapazierfähigen Hose eine Blue Jeans wird, bedarf es neben dem robusten Stoff jedoch noch einer weiteren entscheidenden Neuerung – und die geht nicht auf den Händler aus Buttenheim zurück, sondern auf den Schneiders Jacob Davis. Davis hat nämlich eine Methode gefunden, die Hosennähte haltbarer zu machen, indem er sie mit kupfernen Nieten versah. Das verhalf vor allem den Taschen zu mehr Widerstandskraft, die bei den Goldgräbern ständig prall gefüllt waren mit allerlei Geröll.

Die Geschäftsbeziehung zwischen Strauss und Davis kam schliesslich zustande, weil Davis die 68 Dollar zur Patentierung seines Verfahrens fehlten. Strauss steigt in die Erfindung ein – und macht das Geschäft seines Lebens. Unter der Nummer 139.121 melden sie 1873 gemeinsam das Patent an. Es ist das offizielle Geburtsdatum der Blue Jeans.

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Von der Arbeiterkluft zum Symbol der Rebellion

In den nächsten Jahren sollten neben Levi’s weitere große Firma, wie Lee, Wrangler und Mustang hinzukommen. Die Blue Jeans revolutionierte damit den amerikanischen Modemarkt, bevor sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Europa kam. Die in Europa stationierten amerikanischen GI‘s trugen die Jeans als Zeichen der Freiheit. Schnell wurden diese auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Die Zeit der Hippie-Bewegungen verhilft der Blue Jeans letztendlich zum Durchbruch in ganz Europa. Sie wird zum Zeichen der gegen alte Traditionen und Autorität protestierenden Jugend. Künstler wie James Dean und Marlon Brando verkörpern mit dem Tragen der Blue Jeans den damit verbundenen Mythos von Freiheit, Härte, Authentizität und Rebellion. Ulrich Plenzdorf brachte diese Tatsache in den Siebzigern in seinem Werk „Die neuen Leiden des jungen W.“ perfekt auf den Punkt: „Jeans sind eine Einstellung und keine Hose.“

Die Blue Jeans als Alltagsmodell

Von der Kluft der Glückssucher, hin zur Uniform der rebellierenden Jugend, ist die Jeans heute in allen Lebenslagen salonfähig geworden. Egal, ob für die Arbeit, ein schickes Abendessen oder als Freizeitmode: die Blue Jeans hat sich gesellschaftlich längst etabliert. In all ihren Schnittvariationen und Waschungen, gehört sie heute zum Lieblingskleidungsstück weltweit. Außerdem bleibt sie stets ein bisschen Geschichte des amerikanischen Traums: die Geschichte wie aus Staub, Schweiß, Arbeit und Hoffnung eine Revolution wurde.

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2 Kommentare

  1. Seit wann ist Nîmes ein kleiner Ort? Mit rund 150’000 Einwohnern liegt die Grossstadt momentan auf Rang 20 der grössten französischen Städte. Schon seit Römerzeit gehört Nîmes zu den bedeutendsten Städten Südfrankreichs. Ansonsten ein sehr interessanter Bericht.

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