Upcycling-Projekt

Von der Jeans zur Vliesweste

Die Modeindustrie produziert immer schneller, immer günstiger und immer mehr. Damit belastet sie die Umwelt – vor allem auch, weil Textil-Recycling bis anhin leider noch in den Kinderschuhen steckt.

Recycling von textilem Gewebe ist nämlich nicht ganz einfach: Damit die Rohstoffrückgewinnung technisch machbar ist, muss das Gewebe aus ein und demselben Material bestehen. Da Kleidung heutzutage aber in den meisten Fällen aus Mischgewebe besteht, können die Rohstoffe kaum zurückgewonnen und wiederverwertet werden.

Aus einer alten Jeans eine neue zu produzieren ist also nicht möglich, solange sie nicht aus 100% Baumwolle besteht. Selbst dann, ist es nicht einfach aus den alten Textilresten wieder hochwertige Fasern und Garne zurückzugewinnen. Das soll aber nicht heissen, dass alte Kleidungsstücke im Abfall landen sollen.

Bei SELFNATION wird Nachhaltigkeit seit Tag 1 gross geschrieben. Dies beinhaltet nicht nur die verwendeten Materialien, die Produktion und die Transportwege, sondern auch den Umgang mit Retouren, Ausstellungsstücken und Testhosen. Im März 2019 haben wir diese Stücke deshalb der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen gespendet, wie ihr in diesem Beitrag lesen könnt.

Nun hat uns Naomé, eine Studentin der Hochschule ein kreatives Beispiel zur Wiederverarbeitung der gespendeten Jeans zukommen lassen. Im Rahmen ihres Projekts hat sie sich unserer Spende angenommen und zeigt uns, wie aus alten Jeans neue Kleidung – besser gesagt: Kunstobjekte – entstehen können!

Sie selbst schreibt: “Mithilfe der Nassvliestechnik habe ich einige Vliese entwickelt die ich zu Teilen in meine Kollektion eingearbeitet habe. Es sind verschiedene Vliese entstanden, in unterschiedlichen Zusammensetzungen, die ich dann als Material für ein Kurzarm-Hemd verwendet und in die Innenverarbeitung eines Herrensakkos eingearbeitet habe.  Ich schließe nicht aus weiterhin mit dieser Technik zu arbeiten und bin sehr froh über die Möglichkeiten, die sich mir dadurch ergaben.”

Zur Vliesherstellung wird lediglich der Denimstoff verwendet, weshalb Naomé als Erstes alle Nähte von den gewählten Hosen entfernt hat. Mithilfe einer Maschine wurden die Denimstoffe dann zerschnitten und zerkleinert.

Anschliessend wurde aus den Jeansstücken mit einer Nassvliesanlage ein Vliesflor hergestellt. Dabei werden die Fasern zuerst in Wasser aufgeschwemmt, damit dieser Schritt überhaupt machbar ist, ist es wichtig, dass der Stoff so wenige synthetische Fasern wie möglich beinhaltet, da deren Dispergierbarkeit gering ist und sich die Fasern dann nicht im Wasser lösen würden.

Danach werden die Fasern auf einer wasserdurchlässigen Unterlage abgelegt. So entsteht der sogenannte Faservlies, der danach mithilfe verschiedener Methoden verfestigt und zu einem Vliesstoff gemacht werden kann. Dies geschieht, indem man einen festeren Verbund zwischen den Fasern erzeugt.

Diesen Vliesstoff hat die Designstudentin schliesslich weiterverwendet und daraus Sakko-Belege und eine Vliesweste kreiert.

Damit geht Naomé mit gutem Beispiel voraus und zeigt, wie Textil-Upcycling funktionieren kann. Wir sind begeistert von dem Ergebnis und stolz, ein kleiner Teil ihres kreativen Projektes gewesen zu sein.

Hier geht’s Kurzfilm: INTERSTICES UNIFORM

 

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